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Die Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls "Betriebssysteme und verteilte Systeme" können mit dem Schlagwort "Systemnahe Software und Protokolle für verteilte Systeme" zusammengefaßt werden. Das Spektrum der betrachteten Systeme reicht dabei von PC-Clustern über das Grid-Computing bis zu Systemen der Automatisierungstechnik.

Konkret befaßt sich die Gruppe derzeit mit den nachfolgend beschriebenen Fragestellungen, die auch auf dem Poster der Forschungsgebiete (1.5MB) und dem Poster der Forschungs-Interessen der Mitarbeiter (1.8MB) zu finden sind:


Monitoring paralleler und verteilter Anwendungen im Bereich des Hochleistungsrechnens

Ziel dieser Arbeiten ist die Entwicklung eines Systems, das die Online-Beobachtung und Steuerung paralleler Programme in einem verteilten System ermöglicht. Ein solches System ist die Basis für eine Vielzahl von Programmierwerkzeugen, z.B. für Leistungsanalyse, Debugging, Test oder Visualisierung.
Die Herausforderungen sind dabei, eine gute Skalierbarkeit und eine möglichst geringe Rückwirkung auf das untersuchte System zu erreichen. Dazu wird ein Ansatz verfolgt, der auf einer verteilten Auswertung der überwachten Ereignisse basiert. Die Auswertung ist dabei vom Werkzeug frei programmierbar, d.h. einem Ereignis können beliebige Aktionen zugeordnet werden. Ziel der Arbeiten ist, eine sequentielle Spezifikation dieser Auswertung (z.B. in Form stromverarbeitender Funktionen) automatisch in eine verteilte Realisierung umzusetzen. Weitere Schwerpunkte sind die Überwachung von (möglicherweise zur Laufzeit variierenden) Objektmengen sowie die effiziente Kommunikation (Multicast/Reduction).
Im Rahmen früherer Arbeiten an der TU München und im EU-Projekt CrossGrid wurden bereits die Schnittstelle OMIS und das Monitorsystem OCM-G für Anwendungen im Grid-Computing realisiert.


Online-Leistungsanalyse paralleler und verteilter Anwendungen

Auf Basis des OCM-G entstand im EU-Projekt CrossGrid ein Online-Leistungsanalysewerkzeug (G-PM) für parallele Anwendungen im Grid, das als Basis für weitergehende Forschungsarbeiten dient. Die anvisierten Fragestellungen sind:

  • Beurteilung der Meßverfahren und Ausarbeitung einer exakte Semantik der Meßwerte, inkl. Fehlerabschätzung
  • Kombination unterschiedlicher Meßverfahren (Profiling und Tracing)
  • Herstellung eines Bezugs zwischen Meßwerten und Anwendungs-Quellcode
  • Programmierbare, anwendungsorientierte Metriken und deren effiziente, verteilte Implementierung

Grid-Computing

Die Arbeiten zum Monitoring und zur Leistungsanalyse berücksichtigen als eine mögliche Zielplattform das Grid. Der Lehrstuhl befaßt sich daher auch mit Fragen der Grid-Middleware (z.B. Job Submission, Job Monitoring; Globus, LCG, MPICH-G2) und Grid-Anwendungen, die Berührungspunkte zu den genannten Schwerpunkten aufweisen.


Nutzung von Ethernet für Realzeitaufgaben in der Automatisierungstechnik

Von Seiten der Industrie besteht ein großes Interesse, den etablierten Standard "Ethernet" auch im Bereich der Automatisierungstechnik einzusetzen. Wegen der zu erfüllenden Realzeit-Anforderungen müssen dabei Kollisionen vollständig vermieden werden. Dies wird durch einen geeigneten "Kommunikations-Fahrplan" (Schedule) erreicht, an den sich alle Teilnehmer halten müssen.
Viele bisherigen Ansätze (z.B.: Ethernet Powerlink oder EtherCAT) erlauben dabei zu einem Zeitpunkt im gesamten Netz nur eine einzige Kommunikation, sie nutzen also nicht aus, daß bei Vernetzung mit Switches auch mehrere, unabhängige Kommunikationen parallel durchgeführt werden können. Siemens verfolgt bereits mit Profinet einen solchen Ansatz.
Das Ziel der Arbeiten des Lehrstuhls ist es, optimale Schedules zu finden, die bei einer Switch-basierten Vernetzung soweit möglich gleichzeitige Kommunikationen zuläßt, wobei vorgegebene Realzeitbedingungen als eine Art von QoS (Quality of Service) eingehalten werden. Daneben soll auch eine (zentrale oder verteilte) Steuerung realisiert werden, die den ermittelten Schedule während des Betriebs durchsetzt.


Verteilte Online-Tests

In Kooperation mit dem Fachbereich 5 ("Wirtschaftswissenschaft und Didaktik der Wirtschaftslehre", Prof. Schlösser) entwickelt der Lehrstuhl ein System zur Durchführung von Web-gestützten Online-Klausuren, -Evaluationen und -Tests. Die Herausforderungen auf Seiten der Informatik sind dabei die Unterstützung unterschiedlichster Sicherheitsanforderungen (Vertraulichkeit, Verbindlichkeit, etc.), das Erreichen einer hohen Verfügbarkeit und Robustheit des Systems, sowie eine gute Skalierbarkeit. Da das System schnell in unterschiedlichsten Umgebungen einsetzbar sein soll, wird als Client ein Standard-Webbrowser verwendet, so daß keine Software-Installation anfällt.
Ein Prototyp des Systems ist bereits seit WS 03/04 erfolgreich im Einsatz.